Großbrand in Talling

„Gaspisch Scheier" und „Heerten Haus" stehen lichterloh in Flammen

Emma Thomalla geb. Veek
Emma Thomalla
geb. Veek

Es war an einem Dienstag im letzten Herbst vor Kriegsende, als Seewischt Emma (Emma Thomalla, geb. Veek) mit dem Kuhgespann „In den Braunsfeldern" den von ihrer Mutter Paula zuvor „gespräten" (verteilten) Kuhmist Scholle für Scholle unterpflügte.

Es muss früher Nachmittag gewesen sein, als ihre Mutter in das nahe gelegene Dorf aufbrach, um die nötige Stärkung zu holen. Denn es war früher üblich, dass die Feldarbeit unterbrochen und Kaffee und Brote draußen eingenommen wurden.

Doch sie kam nur bis zu „Howahle" Garten, um schnellstens umzukehren und die dramatische Mitteilung zu überbringen, dass „Gasbisch Scheier" und „Heerden Haus" lichterloh in Flammen stehen würden.

Zugleich wurde „ausgespannt" und Emma trat den Rückweg mit den Zugtieren in die heimischen Stallungen im großen Bogen über die „Unweit" (Flurweg neben Haus Jungbluth) in Richtung Hauptstraße an, denn der direkte Weg war durch die anrückenden Feuerwehren (auch der Nachbardörfer) nicht mehr passierbar. Sie trieb die Kühe sogleich in den Stall, obwohl der Brand in unmittelbarer Nachbarschaft wütete; dazwischen lag aber noch ein Garten als Sicherheitsabstand.

Im Dorf fehlte es an starken Männern, da sie überwiegend als Soldaten im Krieg waren. Oberhalb des Dorfes lag der gefüllte Brandweiher, der über ein Bach- und Rohrsystem das notwendige Nass bis unmittelbar ins Dorf leitete.

Dort wurde das Wasser in einem Schacht in Höhe „Nauboasch Haus" mit zwei Bretterbohlen für die Handhebelpumpe der Feuerwehr angestaut, aber das Wasser reichte für die Bekämpfung der großen Feuersbrunst bei Weitem nicht aus.

Deshalb war es erforderlich vom „Boa" unterhalb des Dorfes (heute Spielplatz) zusätzlich so viel Wasser wie möglich in Behältern heranzuschaffen. Emma hat hierbei auch die schweren Milchkannen bis über die weite Strecke regelmäßig geschleppt. Gegen 3 Uhr nachts war sie vor Erschöpfung nicht mehr in der Lage, zu Hause ihre Kleider abzulegen, das sollte ihre Mutter für sie erledigen.

Mehrere Tage musste noch „Brandwache" gehalten werden. „Gasbisch und Heerden Scheune" waren schließlich bis oben hin mit Heu und Stroh gefüllt gewesen.

„Gasbisch Fritz" hat später in vertrauter Runde die eigentliche Brandursache eingestanden. Beim vorausgegangenen „Maschinen" (Dreschen der Getreidegarben) hatte er die zu „schwache Elektrosicherung" einfach mit einem Draht überbrückt. Gott sei Dank ist es beim Sachschaden geblieben.

Das Vieh wurde vorübergehend bei „Girjes" im Stall untergebracht. Das „Heerden Haus" mit Scheune war bis auf die Grundmauern abgebrannt und wurde nicht wiederaufgebaut. Hier steht heute der Glockenturm.

„Gasbisch Scheune" dagegen wurde wiedererrichtet, das Wohnhaus selbst hatte kaum Schaden genommen. „Gasbisch Dina" musste allerdings für kurze Zeit gegenüber bei den Nachbarn („Matzen") eine Unterkunft suchen, während ihr Vater Fritz jedoch im Haus geblieben ist.

„Heerde Kläs" (Nikolaus Jochem) zog danach mit seiner verwitweten Tochter Rosa und deren vier Kinder in das inzwischen frei gewordene ehemalige Wohnhaus der jüdischen Familie Leo Hirsch.

Über viele Jahre war „Heerde Kläs" der Gemeindehirte, der die gemeinsame Tallinger Schafherde hütete, die allerdings durch die Räude (Milbenbefall) so stark dezimiert wurde, dass sie nicht weiter betrieben werden konnte.

Später war er dann der Schweinehirte, der täglich die Sauen in den Bereich „Im alten Stiefel" trieb. Seine tägliche Rückkehr ins Dorf, unterstützt vom Hirtenhund, kündigte er stets lautstark durch seine nicht melodiös klingende „Trota" an. Die Schweinestalltüren konnten so rechtzeitig von den Eigentümern geöffnet werden, damit die Schweine auch in gewohnter Manier in verschärftem Tempo die vertraute Stallung zielsicher ansteuern konnten.

(Emma Thomalla, Erich Thösen)

 

Handhebelpumpe Feuerwehr Talling
Handhebelpumpe Feuerwehr Talling
Dorfbrunnen Talling 1944
„Boa" Dorfbrunnen am heutigen Kinderspielplatz
Glockenturm in Talling
Glockenturm und „Gaspisch" Haus in Talling
Haus der jüdischen Familie Leo Hirsch
Haus der jüdischen Familie Leo Hirsch
„Heerde Kläs" (Nikolaus Jochem)
„Heerde Kläs" (Nikolaus Jochem)
Um die Nutzung der Internetseiten, der OG Talling für Sie zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Internetseiten der OG Talling stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
Zur Datenschutzerklärung der OG Talling Ok